11.10.2016

Die Laterne

 


und der alte Mann (ond dr alde Mo)






Vor vielen Jahren hatte ein Mann für sein Engale (Enkel) zu Weihnachten eine Ladern (Laterne) angefertigt. Er hat mit seinen drahtigen, von Schwielen überzogenen Händen einen Rest von Holz bearbeitet, welches vom Bau eines Schobrs (kleine Scheune) übrig geblieben war.





Er hat gesägt und gefeilt, gehobelt und geschliffen. Es war ein mordsmäßigs Gschäft (viel Arbeit), aber er hat jede Stunde davon genossen; sollte die Laterne doch später seinen Enkel auf dem Wegstück zu seinem Elternhaus bei Dunkelheit begleiten und ihn sicher nach Hause bringen.

Alles hat er ganz liebevoll und in reiner Handarbeit hergestellt. Wie z. B. den kloana (kleinen) Verschluss, welchen er aus Draht und mit einer kleinen Zange so lange rommzwirblat (herumzwirbelte), bis er so hübsch verschlungen war.




Das Glas wurde von ihm aus einem zerbrochenen Fensterglas eigenhändig ausgeschnitten. Die kleinen Schutzgitter, welche das Glas schützen sollen, hat er liebevoll zu einem Stern aus Draht gebogen und im Holz der Laterne sicher befestigt.



Die kleinen, besonders schönen Holzverankerungen, welche des Deggele (den Deckel) oben halten und den Boden unten an der Laterne. Die ganze Arbeit besteht überwiegend aus Holz, ein wenig Draht und Glas - und einer einzigen Schraube, mit welcher der Verschluss befestigt ist.





Heute sieht man ihr das Alter natürlich an. Sie hat ja auch Jahrzehnte Licht gespendet und Mut gemacht. Sie hat Menschen auf dunklen Wegen begleitet oder ihnen bei spannender Lektüre Gesellschaft geleistet. So manch ein Kälble (Kälbchen) hat sie wohl nausschlupfa (auf die Welt kommen) sehen. Was sie wohl alles zum besten geben könnte, wenn es ihr möglich wäre zu sprechen?


Außer dem Verschluss ist nicht ein oanzigs Doil (einziges Teil) an ihr geschraubt. Die ganze Laterne lässt sich auseinanderbauen und wieder Stück für Stück zsammastegga (zusammenstecken) - sie ist wirklich von A bis Z toll durchdacht und zsammagschuschtert (hergestellt).



Natürlich hat sie auch einen Henkel und dieser ist, wie könnte es anders sein, aus Draht. Aus Metall ist der Schutz des Abzugsloches, es ist sehr filigran gearbeitet und hat die heiße Flamme ihr Leben lang zuverlässig abgewehrt.


Mittlerweile ist der Wurm drin, nach so vielen Jahrzehnten darf er das auch sein. Die Laterne hat heute ihr Recht auf ein schönes Aldadail (Ruhestand) wohl mehr als verdient.



A weng henig (ein wenig kaputt) ist sie an einer ihrer vier Glasscheiben und auch der Deckel hat die Zeit über gelitten. Aber nichtsdestotrotz steht sie da, wie eine Eins, immer bereit, mit Feuer und Flamme zur Stelle zu stehen und ein Licht in die Welt hinauszusenden. Dees muas se heit bei ees nemme (dies muss sie heute bei uns nicht mehr).



Sie darf sich gesellen zu unserem Baum der Erleuchtung, ein Apfelbaum, welcher auf seinen starken Ästen mehr als 20 verschiedenen Laternen einen Platz zum glonggera (Baumeln) bietet. Hier wird sie liebevoll in Empfang genommen und hier leuchten viele jüngere für sie mit.



Ich hoffe, der alte Mann hätte es gut gefunden, dass sie ihren Lebensabend nicht in einer Garage oder uf da Biehne (auf einem Dachboden) verbringen muss, wo keiner ihre Schönheit würdigen kann.

Scheene Griaßle vo da (schöne Grüße von)

Marion

alias


Kommentare:

  1. ...eine schöne und liebevoll gearbeitete Laterne, liebe Marion,
    und dein Baum gefällt mir auch...gerne würde ich ihn mal im Dunkeln leuchten sehen...so viele Laternen da,

    liebe GRüße Birgitt

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  2. Zu schee! Ich freue mich immer so, wenn meine Blog-Liste deinen Namen wieder nach oben schiebt und du wieder spannende oder lustige Sachen erzählst! Aber auch deine Bilder sind immer schön anzuschauen.
    Mit deiner Anleitung für Linkparty komme ich noch nicht ganz klar. Ich schaffe es noch nicht, ein rundes Bild in die Collage einzubauen. Da muss ich nochmal mit Ruhe drangehen.
    Und noch was: der Baum der Erleuchtung - eine sensationelle Idee!!! Wie geschaffen fer die ald Lomp ;)

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  3. Welch eine schöne Idee, liebe Marion, Laternen in den Apfelbaum 'Baum der Erleuchtung' zu hängen. Und diese Rarität, vor langer Zeit mit viel Liebe zum Detail und gut durchdacht in Handarbeit gefertigt, ist sicher das Highlight. Wie schön, dass die Arbeit auf diese Weise geehrt und mit Deinem wunderbaren Text gewürdigt wird.
    Liebe Grüße
    Edith

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  4. liebe marion, ich danke dir, dass du dieses objekt gezeigt hast. ich finde es toll, was es über ein so kleines ding alles zu sagen gibt, wenn man nur genau zuhört und hinschaut.

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  5. Ganz wundervolle Bilder liebe Marion! ♥ Mein Herz hängt ja auch an so alten Laternen oder Sachen im Allgemeinen....
    Liebste Grüße
    Christel

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  6. Mit sehr viel ♥ ganz wunderbar geschrieben.
    Und sie hat es wirklich verdient, dies Laterne !
    Und die Bilder in S/W sowieso.
    Liebe Grüße von einem Stop bei Schwarz/WeißBlick

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  7. In these day there was a lot of time to make things like that. Love your post. Groetjes,
    Hetty

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  8. Liebe Marion,
    das ist eine sehr schöne Laterne. Werden die anderen Laternen da nicht ein wenig neidisch? Solche Laternen gibt es Heute doch gar nicht mehr. Wenn sowas jetzt jemand baut, dann ist es unbezahlbar. Ich denke, der alte Mann hätte sich gefreut, dass seine Laterne nach all der Zeit, in der sie gute Dienste geleistet hat, einen solchen Ehrenplatz bekommt.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  9. Guten Morgen!

    Was für eine schöne Geschichte und welch liebevolle Idde steckt dahinter.
    Einfach bezaubernd!
    Ich würde sie auch hüten, allerdings nicht draußen, wo sie witterungsbedingt leiden würde.
    Die Detailaufnahmen sind allesamt Klasse!

    Liebe Grüße

    Anne

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  10. Klasse Details und auch die Geschichte dazu. Es wäre mal interessant so eine Laterne nachzubauen und dabei die alten Werkzeuge zu verwenden. Dann weiß man, was man geschaffen hat.
    LG Jan

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  11. Aaaaah, Marion, ich mag deine Geschichten so! Ich habe förmlich mitgebastelt und gebaut, so herrlich anschaulich hast wieder erzählt. Und tolle Bilder von der schönen Laterne und deinem tollen Laternenbaum. Das ist eine klasse Idee!

    Das Computerbiest wird die Tage mal zum Doc geschleppt, es ärgert mich, immer wieder!

    Ich freu mich immer ganz doll über deine Besuche!!!

    Hab einen schönen Abend und sei lieb gegrüßt ... Frauke

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  12. Herzlich erzählt und nicht weniger fotografiert. Sehr schön und emotional, Deine Worte und die Bilder dazu. Toll.

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Einige liebe Worte sind für mich wie ein warmer Regen im Mai ... sie geben mir die Kraft für ein ganzes Blogger-Jahr, kreativ in die Welt zu schauen. Ich danke euch allen dafür.

Gerne besuche ich auch eure Blogseiten und hinterlasse einen Kommentar. LG Marion